2. Auswärtsspiel  - zu Hause :-) - Spielbericht von JanuszGG

Nun stand es also an, das zweite Spiel in Folge im Jahn-Sportpark, bzw. Cantianstadion. Es machte sich erst unmittelbar vor Spielbeginn eine gewisse Vorfreude breit. Die Tage nach der Nullnummer gegen Neustrelitz waren eher durch sorgenvolle Gedanken Richtung BFC geprägt. Dieses Spieltag-verbindende Gefühl der letzten Jahre wollte sich partout nicht einstellen.

Nichts da von Aufregung. Nur Unsicherheit. Und das nicht (nur) aus sportlichen Gründen.

Quo vadis BFC???

Zum Spieltag. Gegner im Auswärts-Heim-Spiel sollte der BAK sein. Früher Berliner Athletik Klub, zwischenzeitlich der größenwahnsinnigen Idee verfallen, sich AC Berlin zu nennen, nun als Chimäre unter dem Namen Berlin Ankaraspor Külübü über die Oberliga hereinbrechend. Die Vorzeichen waren klar. BAK mit dem kolportierten höchsten Etat der Liga gegen uns, den Geheimtip. Aber sowas von geheim...

Wir fuhren diesmal mitta Straßenbahn zum Stadion. Als in den letzten Jahren wenig erfahrenen BVG-Benutzer, wurde das Gefährt erstmal nach Errungenschaften der modernen Technik durchsucht.

„Wo ist denn nun die Kamera???“ Unter Zuhilfenahme des 4-fach Bildes im Überwachungsdisplay beim Fahrer, turnten wir durch den Waggon, winkten, machten Gymnastik. Alles doch verwirrend.

Einige der Mitreisenden wirkten etwas verstört, auch unterstützt durch unsere fesche Kostümierung in weinrot-weiß. Schlußendlich wurden alle Fragen beantwortet. Ein Display beim Zugführer wurde schwarz durch meine Hand an der Stationsanzeige. Das gab ein „Hallo“! Und unser kindlicher Spiel -& Entdeckertrieb war fürs erste befriedigt.

Vor dem Stadion eine kleine Wohltat für die geschundenen BFC-Seelen. 6 Euro Eintritt, wie in alten Zeiten...

Und umgehend genossen wir gemeinschaftlich wieder dieses Gefühl, geliebt zu werden. Wer uns an diesem Abend alles sehen wollte! Milliarden gefühlte Grünmännchen inklusive zweier Nobelkarossen mit Wasseranschluß. Prima!

Also rein ins Stadionrund. Den üblichen Begrüßungsmarathon brachten wir wie immer gerne hinter uns. Die Tips zum Spiel ließen uns nicht wirklich zuversichtlich in den Abend gehen. Ein Remis war da noch die angenehmste Voraussage.

Kurz vor Anpfiff kochte Volkes Seele über. Die „Knapisten“ mussten Stärke beweisen. Sie entfernten ein Transparent vom Zaun. Grund dafür wohl die Aufschrift, bestehend aus dem 1., 3., 1. und 2. Buchstaben des Alphabetes (in dieser Reihenfolge). Käme jedoch dahingehend eine Pressemitteilung, daß das Transpi wegen der wirklich gruseligen Darstellung von Chief Clancy Wiggum aus Springfield entfernt wurde, würde ich im Nachhinein als Verehrer der „Simpsons“ sofort meine Zustimmung geben. Aber so ist es die billigste Provokation und Zensur vor dem Herr´n.

So begann also das Spiel. Und gleich ein traumhafter Einstand. Erst rettete unsere Querlatte vor einem frühen Rückstand, dafür wurde das Gebälk auch kurzzeitig gefeiert, und nach 6 Minuten bekamen wir einen Elfer zugesprochen. Ball auf den Punkt, Anlauf Fricke, Schuß Fricke, Ball in den rechten oberen Winkel und Tor! Durch Fricke. Wat´n Spielbeginn!!!

Leider konnten wir die Führung nur 10 Minuten genießen, aus stark abseitsverdächtiger Position machte der BAK den Ausgleich.

Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte nahmen sich beide Mannschaften nicht viel, beim BAK konnte aber ein besserer Spielaufbau beobachtet werden, bei einem solch guten Kader auch nicht überraschend. Aber unsere Jungs hielten kräftig dagegen.

Wir Fans nutzten die ersten 45 Minuten zum gemeinsamen Absingen alter und neuer Evergreens. Hervorzuheben dabei sind die beiden lustigen und grünen Gesellen im Innenraum, im kreativen Überschwang als Toto und Harry getauft. Schade dabei nur, daß die Polente nicht humorvoll ist und die beiden es somit nicht verstanden, ihren durch uns erlangten Kultstatus durch eigenes Agieren zu stabilisieren. Spielverderber!!!

Viel Spaß brachte auch unsere Neukreation von „Wer nicht steht...“ Endete bei diesem Spiel mit „... ist Külübülü! Hey! Hey!“

Beim ersten Versuch ernteten wir um uns herum nur unverständliche und fragende Blicke. Dann zunehmend Gelächter. Und beim zweiten Mal stand der ganze Block. Klasse, dit war fetzig!

Schön auch noch die „Üffta üfft üffta tätärü täterühühü!“

Halbzeit 2. Läßt sich kurz zusammenfassen. Gruselig, unterirdisch. In der 58. Minute das 2:1 für BAK, absolut mit Ansage dieser Treffer. Unsere Männer kamen vorher nicht aus der eigenen Hälfte raus, viele Fehlpässe, zerfahren wirkendes Abwehrverhalten. Eben eine klassische Fußballquittung.

Auch nach dem Rückstand hatte ich kaum das Gefühl, daß die Mannschaft sich aufbäumen würde, von kurzen Strohfeuern mal abgesehen. Allerdings kann und will ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen, ich denke, sie haben ihr Möglichstes getan, mehr war einfach nicht drin.

In der 81. dann die Entscheidung nach einem fiesen Abwehrfehler. Anschließend war es das mit Kampf beim BFC. Und die letzten Eindrücke bleiben einem Fan in Erinnerung. Es kam, wie es kommen mußte. Etliche Zuschauer verließen das Stadion vor dem Spielende. Schon Minuten vor dem Abpfiff wurde geschimpft. Der ganze Ärger machte sich dann nach der 90.Minute Luft. Unüberhörbare Pfiffe, nicht jugendfreie Betitelungen unserer Truppe und fliegende Bierbecher („Der Becher ist ´nen Euro wert!“ –sing-) dienten als Ventil der Frustbewältigung.

In solch einer Situation als Mannschaft zu den Fans zu kommen und sich Volkes Zorn zu stellen, verdient Hochachtung. Die Spieler des BFC taten es, Lenzer an der Spitze.

Der Franzose sagt: „Chapeau!“

Ich sage: „Hut ab!“

Was folgte, war der Nachhauseweg. Bedient, traurig und ein kleines Fünkchen Hoffnung.

 

Ergo: Der rote Faden der Saison 2006/07 wird länger. Unser Team bemüht sich, schafft dies aber noch keine vollen 90 Minuten. Ausfälle sind nicht so ohne weiteres auszugleichen. Es werden in Fankreisen schon vereinzelte Stimmen laut, die eine Trainerdiskussion fordern, bzw. schon führen. Völlig absurder Unfug und nicht von Fußballsachverstand geprägt. Noch mal: Schwachsinn!!!

Die Konstante beim BFC seit jeher: Wir, die Fans. Der Support war wieder große Klasse. Die vereinzelten Hohlbirnen und ihr Geseier wurden niedergesungen oder einfach der Lächerlichkeit preisgegeben. Knorke so.

Es wurde viel gelacht, wir feierten uns selbst und haben dies auch mehr als verdient.

 

Trotz alledem und jetzt erst recht:

Auf Dynamo!

 

JanuszGG

 

 

 

 

1. Heimspiel - Kracheransetzung - von JanuszGG

Nun stand also das erste Heimspiel der Saison auf dem Plan. Und was für eine Kracheransetzung. Gleich gegen den Tabellenführer!!!

Die weiteren Vorzeichen ließen alle geneigten BFC-er etwas unsicher den Weg in den altehrwürdigen Jahnsportpark im altehrwürdigen Prenzlauer Berg finden. Viel Unruhe im Verein, ein total vergeigtes Auftaktspiel beim Aufsteiger, eben erwähnter Zwangsumzug ins Cantianstadion mit einhergehenden Eintrittspreisen von 10 Euronen pro Nase und die allgemeine Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird.

In alter, schöner Tradition wollten wir vor dem Spiel in der Altberliner Kneipe„Zum Schusterjungen“ Lychener Ecke Dimitroff –äh- Danziger Straße ein Pils schlürfen und ein Eisbein verdrücken. Nur leider waren die Tore verschlossen, dem Betreiber war es wichtig, zu erklären, daß heute eine geschlossenen Veranstaltung sei. Aber eben scheinbar nur für weinrot-weiß geschmückte Elitetruppen, jedem anderen wurden die Rollläden, wie von Zauberhand, geöffnet. Nun ja, fürs nächste Mal auch kein Problem, der Prenzlauer Berg bietet etliche Alternativen. Nur schade, daß somit eine Tradition, die im Arbeiter –und Bauernstaat ihren Anfang nahm, nun so dilletantisch zerstört wurde.

Nach kurzem Beschimpfen und einer Zigarettenlangen Sitzblockade machten wir uns auf den Weg. Schon dieser kurze Weg bestand einzig in der Diskussion über die angekündigten Eintrittspreise. 10 Euro sind für ein Oberligapunktspiel nicht eben leicht zu verstehen. Aber als in langen Jahren gestählte Fußballmasochisten gaben wir auch dieses Hemd unserem BFC. Die 5 Fans, welche bei der visuellen Realisierung der 10 € stehenden Fußes den Heimweg antraten, sind aber auch durchaus zu verstehen. Und ich bin sicher, die Fünfe waren nicht die Einzigen...

Nach den üblichen Kontrollen durften wir also das Stadion betreten. Irgendwie gestaltete sich unser Aufgalopp sehr ungewohnt. Bei allen war zu spüren, daß die neue-alte Fußi-Location noch eine Menge von uns Fans abverlangen wird. Die ersten 10 Minuten bestanden aus ziellosem Rumlatschen, um den idealen Platz zu finden. Den hatten wir dann, um nach 2 Minuten Unbehagen einen anderen zu suchen. Der dann gefundene Sitzplatz (Pfui!, denn Sitzen is für´n Arsch!) gefiel uns auch nicht, der dritte war dann chic und für das folgende Spiel okkupiert. Und dieses Erlebnis hatten wohl mindestens 50%. Es entstand bis zum Anpfiff ein stetes Gehüpfe und Geklettere über die Sitzreihen, permanent kamen einem Leute entgegen, die kurz danach an völlig anderer Stelle wieder auftauchten. Aber diese Situation hat auch durchaus etwas Positives, besteht doch jetzt die Chance,  die bunte Fangemeinde unseres BFC einmal geschlossen auch bei Heimspielen erleben zu dürfen.

Kurz vor´m Anpfiff motivierten wir erstmal die 1007 zahlenden Zuschauer, sich klar gegen die „Rasta-Fari“-gefärbten Sitzplatzreihen zu positionieren („Wer nicht steht, der ist...!“), was auch gelang, allerdings nur kurz.

Der Mann in Gelb pfiff dann pünktlich an. Irgendwie merkte man gleich, daß die Mannschaft gewillt war, das 2:4 von Schönberg vergessen zu lassen. Aber leider eben nur „gewillt“... Es kam nichts Zwingendes zu Stande, wir erarbeiteten uns zwar eine optische Überlegenheit, das war dann aber auch Alles. Neustrelitz schien ganz klar auf ein Remis zu spielen, immer feste hinten drin stehen und auf Konter lauern. Und in dieser Spielweise des Gegners lag mal wieder die Krux bei unserem BFC. Es wirkt immer alles extrem behäbig. Oft war zu beobachten, daß die gesamte Hintermannschaft der Neustrehlen um den Strafraum postiert war und unsere Jungs gerade mal am Mittelkreis herumstanden. Und dort wurde augenscheinlich klar, was unserem Team noch fehlt, ein klassischer Spielmacher.

„Im Mittelfeld zu viel Klein-Klein!“ freut sich da das Phrasenschwein...

Der Stimmung unterm Dach tat dies aber keinen Abbruch, es wurde gesungen, geklatscht, gepfiffen. Wie ich von diversen Leuten hörte, machte die Stimmung richtig was her, selbst am U-Bahnhof konnte das geschmetterte „DYNAMO“ vernommen werden. Und da waren sie wieder die Erinnerungen an ruhmreiche Tage in der Historie unseres geliebten BFC Dynamo! Und wenn dann noch ALLE zusammenstehen und singen, hört meine Frau uns sogar im Thälmann-Park!!!

Leider darf der einzige Wermutstropfen nicht unerwähnt bleiben. Es tauchten nach langer Abstinenz wieder diese homoerotischen SadoMaso-Laute auf, und das auch noch ausschließlich dann, wenn ein Spieler aus Neustrelitz am Ball war.

Kann denn Liebe Sünde sein...???

In der Halbzeit wirkte ein Großteil der Besucher deutlich ernüchtert, ob der Vorstellung der Mannschaft. Einige hatten wohl erwartet und gehofft(mich eingeschlossen), daß ein Sturmlauf über die TSG hereinbrechen wird. Aber es bestand ja noch Hoffnung für Hälfte 2.

Kurzzeitig wehte ein Hauch von Kommerz durch´s Stadionrund, es wurde ein DVD-Player verlost. Wie Hauche es so an sich haben, schnell war er verflogen.

Es machten Sprüche die Runde, daß für DEN Eintrittspreis ja nun auch gefälligst leicht bekleidete Cheerleader uns zu unterhalten haben. Aber damit wäre der Kommerz ja total ausgelebt und das wäre in unserer derzeitigen Situation nicht vermittelbar. Und wer will schon fremd-animierte Stimmung?

Nun gut, die zweite Hälfte begann, wie die erste endete. Eben grauselig. Etliche Fehlpässe, kein wirklich überzeugendes Aufbauspiel. Wenn unsere Jungs mal den Strafraum von Neustrelitz erreichten, liefen sie sich an der gut gestellten Abwehr fest. Kein Geistesblitz, keine Kreativität, kein so genannter „tödlicher Pass“. Die daraus resultierenden Fernschüsse verfehlten das Tor, leider. So etwa Mitte der 2.Halbzeit machten die Mannen um Lenzer mehr Dampf, es fühlte sich an, als hätten sie begriffen, worum es geht. Die späte; die Frage muß gestattet sein: Zu späte???; Einwechslung von Jeff Kayser brachte noch mal mächtig Schwung, an einer seiner wunderbaren Flanken sauste Daniel Schmele haarscharf vorbei. Das hätte das 1:0 sein müssen. Schade, denn beide Genannten hätten es 100%-ig verdient gehabt. Und wir ja nun sowieso.

Kurz vor Schluss dann irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit. Bei einem Vorstoß der „Strehlen“ kam der Ball irgendwie in unseren Strafraum, allgemeines Konzentrationsfiasko sorgte für eine brenzlige Situation vom Feinsten. Der Ball hüpfte und sprang herum, aber nicht berechenbar. Wirkte eher so, als hätten alle jetzt ´nen Football gewählt. Die Quintessenz der Situation: Robert will den Ball weg hauen, trifft (den Ball) und trifft erneut (das eigene Lattenkreuz). Na, mal mächtig Dusel gehabt. Darauf der Lacher auf den Traversen: „Der Lenzer hätt´ den rinjemacht!“

Die Stimmung war trotz allem weiterhin prächtig, Singsang aller Couleur wurde zum Besten gegeben. Zu erwähnen hierbei der niedliche Versuch einer „Uffta“, quittiert mit: “Wo ist denn der Klaasen hin?“ und „Die Pionier-Uffta sie lebe Hoch! Hoch! Hoch!“

Zwei Unentwegte bestiegen dann noch in scheinbarer Selbstüberschätzung den Zaun, wurden via Sprechgesang heruntergebeten und leisteten umgehend Folge. Fein gemacht, Bürger! Und dann sage noch einer, bei uns funktioniert die Selbstdisziplinierung nicht...

Der Abpfiff kam dann pünktlich, viel nachzuspielen gab es eh nicht. Vereinzelte Pfiffe, ob der Leistung der Mannschaft waren unüberhörbar. Schnell lehrte sich das Rund.

Am Ausgang zur Gaudystraße musste die Abteilung Robocop dann noch mal pro forma einen unverhältnismäßigen Einsatz zum Besten geben, Kommentar unnötig.

Wir begaben uns dann geschlossen zur Empor-Sportsbar zur abschließenden Spielbetrachtung. Die hübsche, „Körbe“ verteilende Bedienung („ Ick kann nich, ick hab doch ´nen Mann.“), hielt uns bei Laune, die Kollegen der EGH (?) schauten in vorbeifahrender Weise mehrfach mal rum und wurden dementsprechend begrüßt. Nach 2 Stunden Fachgesimpel, auf diesem Wege ein Dank an Daniel Schmele, der sich zu uns gesellte, machten wir uns nach Hause zu Frau, Kind, Hund und dergleichen mehr.

 

 

 

Ein kurzes Fazit:

Ein typisches Null-Null-Spiel. Neustrelitz wollte und der BFC konnte scheinbar nicht mehr. Die 10 Euronen Eintritt sind auf einer Seite zu überdenken, andererseits sollten sie es uns wert sein. Nur wenn es spielerisch so weiter geht, wird es unmöglich, die angepeilten 1000+ an Zuschauern zu erreichen. Es gab etliche Stimmen, die diese Theorie bestätigten.

Motsche hielt bei einigen hochklassigen Paraden den Punkt fest, das Mittelfeld fand größtenteils nicht statt, Lenzer bleibt noch aufgrund seiner Spielübersicht, Kampfkraft und Routine unersetzbar, Marjanne tauchte fast komplett ab, Robert wirkte ein, zwei mal recht unsicher und das Gros der selbsternannten Fußballexperten unter uns Fans (mich eingeschlossen) favorisieren Schmele und Kayser gemeinsam von Beginn an.

Tja und der JSP? Wir werden damit leben, der Stimmung tut es nur gut. Es gilt nur noch, dies zu verfeinern, ALLE in ein, zwei Blöcke und wir werden richtig furchteinflößend  huh-huh-huh...!

 

Schön, daß wieder Fußball ist! Lobpreisen wir unseren BFC jetzt erst recht!

 

Euch allen weinrot-weiße Grüße

JanuszGG

 

Saisonabschlussfahrt - Fanbericht...

Zum Abschluss dieser Saison zog es also den Tross der unermüdlichen weinrot-weißen Gemeinde ins weit entfernte Torgelow. Eine Woche zuvor wurde zur gemeinsamen Zugfahrt unter dem Motto „Abschlußfahrt für Henne Lau“ mobilisiert und siehe da, knapp 300 ruhmreiche BFC-er fanden den Weg zur „DB“. Alles begann auf dem Tags zuvor neu eröffneten Hauptbahnhof, also von Beginn an Kultur im Sinne von Architektur. Dazu nur soviel: Schade, daß die Zeiten eines Herren Schinkel vorbei sind.

Trio fing gleich an Fotos zu schießen, die Bahnscheriffs sorgten für den rauchfreien Bahnhof und Rainer war die Aufregung, ob der ersten Zugauswärtsfahrt seit „Jahrzehnten“ deutlich anzumerken.

Also um 8:28 in der Frühe am Sonntag(!) rein in den Zug, auf dem Bahnsteig schon diverses Liedgut über vorbeimarschierende NVA-Soldaten unters Volk gebracht und ab ging’s mit uns gen Mecklenburg. Zwischenzeitlich wurde unser Mob von den Freunden verstärkt, lustig kostümiert mit Sombreros und Wasserbällen, ausgestattet mit Musike und einer Unmenge „Auswärtsfahrt-Spaß-Garantie-Getränken“. So zog sich also der Lindwurm der Bahn fesch durchs Brandenburgische. Erster Stopp war Pasewalk, was zu der allseits spannenden Frage führte: „Wie spricht ein Engländer diesen Namen wohl aus?“

Die örtliche Tanke wurde reichlich frequentiert, die anwesenden Kühe mit „Dynamo! Dynamo!“ und „der Welle“ bei Laune gehalten. Die Freunde ihrerseits nahmen den Aufenthaltsraum des Bahnhofes in Besitz, immer nach dem Motto: Wein, Weiber und Gesang!

Wie immer anwesenden Heerscharen der Grünröcke standen eher im Weg rum, als daß sie sich einer Existenzberechtigung im Pasewalker Bahnhofsgelände sicher sein konnten. Dies wurde ihnen auch zusehends selber bewusst, gelangweilt und vergeblich versuchten sie beim späteren Bahnsteigkick mit Wasserbällen einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Der hypermoderne Zug, welcher uns nach Torgelow bringen sollte, wurde frenetisch gefeiert und komplett übernommen.

Am Ziel unserer Reise wartete die Entscheidung, sofort ins Stadion und dort 2 Stunden warten oder Einkehr in ein Etablissement zum Essen fassen. Wir entschieden uns fürs Restaurant.

Gestärkt, aber nicht satt, machten wir uns dann auf zum Spartakusstadion. Eine nette Arena, nichts für Gladiatoren, eher etwas für Naturliebhaber. Mitten im Wald, auf den Zuschauertraversen mit Tannen geschmückt. Absolut erwähnenswert der Eintrittspreis bei den Torgelower Greifen: 4€. Auch die Versorgung mit Getränken, sowohl alkoholisch, als auch Brause und tierischen Grillerzeugnissen ließ nichts zu wünschen übrig, sowohl geschmacklich, als auch in der Preisgestaltung. Dafür ein dickes Lob!!!

Nun begann also pünktlich das Spiel, schon beim Einlaufen der Mannschaften wurde Henne Lau frenetisch gefeiert, die Stimmungshoheit war eindeutig auf unserer Seite. Bei Torgelow wurden 2 Spieler verabschiedet und unser Henne erhielt ein wunderschönes weinrotes Trikot mit goldener Bepflockung.

Das Spiel dominierte unser BFC, allerdings kam dabei, wie schon oft in dieser Saison erlebt, nichts raus. Nach einer knappen viertel Stunde verletzte sich „Marianne“ und wurde durch Micha Kuhfahl ersetzt. Torgelow ging irgendwie nach 22 Minuten in Führung. Im Fünfer von „Motsche“ wurschtelten gefühlsmäßige 30 Spieler rum, „Motsche“ krabbelte umher, alles wirkte chaotisch und beinahe dem Stadionnamen angemessen. Plötzlich erhoben sich zwei Gelbarme, drehten mit dem dazugehörigen Körper ab und 1:0. Was unserem Stimmungslevel keinen Abbruch tat, im Gegenteil. Mehrfach bis zur Pause kamen unsere Recken vors Tor der Greifen, aber es wollte nichts gelingen. Am meisten ärgerte uns, daß Henne Lau an einer scharfen Eingabe vorbeisauste, so blieb ihm ein Abschiedstor versagt, schade.  

 

Nach der Halbzeit mühte sich unser BFC weiter, vergebens. In der 60. Spielminute begann der Himmel seine Schleusen zu öffnen, ein schlechtes Omen für die folgenden 5 Minuten. Es goss in Strömen und den paar ausharrenden BFC-ern auf den Rängen war es fast unmöglich, die gegenüberliegende Spielfeldbegrenzung zu sehen. In der 61. wurde Henne Lau gegen Eric Palmer ausgewechselt. Schade, daß dieser Augenblick in der Sintflut von TorgeLAU unterging. Und das Unheil nahm seinen Lauf...

In der 63. Minute verhängte Schiri Tochtenhagen einen, selbstverständlich ;-) , unberechtigten Foulelfmeter gegen uns. Wir waren uns alle einig, daß solch eine Freveltat nicht zu entschuldigen sei, vor allem, da „Jako“ gar nichts gemacht hat und dafür Gelb-Rot...???

Nun gut, der Elfer war drin, „Motsche“ hatte keine Chance. Der Regen machte auch noch mal ein bissel mehr Dampf. Dann war der Spuk plötzlich vorbei und hatte alles geändert. 0:2, Henne a.D., der BFC zu Zehnt und wir alle triefend nass.

Wer glaubte, wir seien jetzt vollends bedient, sah sich getäuscht. Umgehend flogen hunderte Papierrollen aufs Spielfeld, Henne Lau wurde lobpriesen, kleine Rasseln wurden geschwungen (Danke den IG-ern!), ein anwesender Rolli-Fahrer mit „Täve“ Schur verwechselt und angefeuert, unsere Mannschaft wurde gefeiert, und alle waren guter Stimmung.

In der 78. machte der Ersatz-Henne doch noch das Tor, aber die wenigsten von uns haben es gesehen. Gerade wurde im Überschwang der prächtigen Stimmung die Haltbarkeit und Stabilität der aufgestellten Bauzäune getestet und unisono für nicht gut befunden. Die Herren der Abteilung „Robocop“ erschienen, hielten sich aber vornehm zurück, um dann nach Spielende ihr angestautes „Was auch Immer“ an den Eingeborenen auszulassen. Nun gut, wer sich zu Fünft aufmacht, um den BFC-Block zu stürmen, hat es nicht anders verdient, als die geballte Staatsmacht zu spüren zu bekommen.

In der 82. Minute schoss dann Torgelow noch ein Tor. Das Spiel endete dann auch und nun konnte unser geliebter Henne Lau gebührend verabschiedet werden. Es waren bewegende Minuten, die sich dort abspielten. Henne genoss das Bad in der Menge sichtlich und wir bereiteten ihm einen schönen Abschied.

Auf diesem Wege noch einmal alles erdenklich Gute, lieber Henne! Und Danke für die schönen Tore und Deine Liebe zum BFC Dynamo!!!

Du bist Dynamo!

Nun zogen wir geschlossen gen Bahnhof, immer verbal angetrieben von den Grünröcken: „... los, los, los! In 10 Minuten fährt euer Zug!“ Es erhärtete sich der Eindruck, die Herren und Damen wollten wohl Feierabend haben.

Der Zug wartete auf jeden einzelnen BFC-er, die ersten von uns verliefen sich im berüchtigten Zauberwald und der Rest fetete weiter. Beim erneuten Aufenthalt in Pasewalk freuten sich die Besitzer des Bahnhofskonsums kurzzeitig über eine Tsunami-artige Welle von Kundschaft. Nun ja, auch diese Welle sollte sich verheerend auswirken und die Freude von kurzer Dauer sein. Nach 10minütigem freien Rein und Raus ohne Grenzen schauten  die Bediensteten etwas genauer hin und tatsächlich wurden Waren noch bezahlt...

Indes okkupierten die BFC-er, mit den Freunden an der Spitze, erneut den Aufenthaltsraum. Diesmal akustisch genutzt zum Absingen alter und neuer Weisen des Ruhmreichsten unter den Ruhmreichen.

Kurz vor Einfahrt des Zuges nach Berlin, ließ sich noch ein minderbemittelter Dorftölpel zum Erheben des rechten Armes hinreißen, der dachte bestimmt, alles Leute mit kurzen Haaren, da schleim ich mich mal eben ein. Falsch gedacht und erschreckt ob der Reaktion unseres Mobs.

 Der Rest der Rückfahrt wurde zunehmend ruhiger, die Witze niveauloser und die Sprache verwaschener. Diverse „Wahrnehmungsverschönerer“ und das frühe Aufstehen forderten ihren Tribut.

Alles in allem ein würdiger Abschluss einer Saison, die alles hatte. Ein mieser Start, eine wahnsinnig tolle Aufholjagd, eine elendig lange Winterpause und Wochen, die nicht mehr englisch sondern oberligisch heißen müssen!!!

Ach so, ich vergaß: Irgendwie hat es keinen so wirklich interessiert, daß wir heute 1:3 verloren haben. Sicher schade, aber wir konnten erleben, was Zusammenhalt und gemeinsame Unterstützung unseres BFC bewegen kann.

Für mich eine unvergessliche Abschlußauswärtsabschiedsfahrt!

 

Alle war´n wa da, alle war´n wa da, außer Erich Honecker!!! –sing-

 

 

Euch allen einen schönen Sommer!

Weinrot-weiße Grüße

JanuszGG

 

 

 

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Stand: 25. Juli 2010